Wir schreiben das Jahr 1887. Das kleine Städtchen Guines westlich von Havanna ist damals das Zentrum der kubanischen Tabakindustrie. In diesem Jahr erblickte der Begründer der Dynastie von Tabakbauern und Zigarrenproduzenten, Arturo Fuente, das Licht der Welt. Zu dieser Zeit war Havanna keine Großstadt, wie wir diese heute kennen. Havanna hat zu dieser Zeit etwa 8000 Einwohner, Kuba war wohl mehr als nur ländlich zu bezeichnen.
Die Kindheit von Arturo Fuente war geprägt durch Krieg. Der Unabhängigkeitskrieg von 1879 und der zweite Krieg mit Spanien im Jahr 1895 zwang viele Kubaner ins amerikanische Exil, so auch die Familie Fuentes.
Die Gegend um Tampa wurde durch die Exilkubaner zum Zentrum der amerikanischen Zigarrenindustrie. Tampa hält diese Stellung bis heute. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er für A.E. Baez Cigar Factory und später für Patron Eduardo Hidalgo Gato.
Im Zigarrenboom im späten 19. Jahrhundert wuchs die Tampa weiter und Arturo Fuente gründete 1912 mit 24 Jahren seine erste Fabrik. Bis 1924 wuchs die Firma stetig weiter und beschäftige damals schon 500 Roller. Sein Traum endete aber 1924 jäh in einer Feuersbrunst. Seine Tabake und seine Fabrik wurden Opfer der Flammen.
Die nächsten Jahre musste Arturo Fuente als Angestellter und Prokurist für andere Zigarrenfirmen seinen Lebensunterhalt verdienen. Erst 1946 im Alter von 58 Jahren konnte er sich einen Neustart in die Selbständigkeit leisten. Seine beiden Söhne Carlos und Arturo jr. trugen schon damals zum Gelingen des Unternehmens bei und mussten nachmittags nach dem Schulunterricht auf der heimischen Veranda Zigarren rollen - etwa 50 am Tag.
Carlos erkrankte an Polio, was in diesen Tagen keine Seltenheit war. Etwa jedes 10 Kind hatte damals an dieser Krankheit zu leiden. Arturo sr. besuchte seinen Sohn jeden Morgen auf der Isolierstation. Diese Zeit prägte die Familie Fuente und schmiedete die Familienbande noch enger. Dies zeigte auch die Hochzeit von Carlos. Im zarten Alter von 18 feierte er mit hunderten Verwandten Hochzeit. Die neu gegründete Familie zwang ihn dazu das Familiengeschäft seines Vater zu vernachlässigen. Er konnte nicht mehr ohne Bezahlung bei Fuente arbeiten. Er musste seine eigen Familie unterstützen. Im Laufe der Zeit brachte sich Carlos wieder intensiver in das Familienunternehmen ein. Der Senior ging dann auch 1958 nach über 50 Jahren in der Zigarrenindustrie in den verdienten „Ruhestand“ und Carlos übernahm die Geschicke der Firma.
In den 60er Jahren änderte sich das wirtschaftliche Umfeld stark. Die Industrie kam unter Druck. Viele kleine Firmen schlossen ihre Pforten für immer. Nur mit Innovationen und neuen Ideen konnte man diesem Trend entgegen wirken. Die Hauptmärkte für Arturo Fuente Zigarren waren damals Miami und Manhattan. Mitte der 60er Jahre, der kalte Krieg wurde immer heißer, begann sich auch die Kubakrise auf die Zigarrenindustrie auszuwirken. Carlos, der eigentlich keinen Erfahrung im Tabakeinkauf hatte, verwendete nahezu da gesamte Familienvermögen um kubanischen Tabak zu kaufen. Die Blends der damaligen Zigarren war stark von Tabaken der karibischen Insel abhängig. Carlos Fuente hatte mit seiner Vermutung recht, dass ein drohendes Embargo entscheidenden Einfluss auf die Zigarrenindustrie in Florida haben würde.
Mit diesem riesigen Vorrat an kubanischen Tabak konnte er diese Krise überbrücken. Viele seiner Kollegen, denen es an Weitblick fehlte, kamen ins straucheln oder mussten schliessen. Carlos Fuente hatte sich genügend Zeit erkauft, um neue Tabakquellen zu erschliessen. Er konnte sogar in dieser Zeit der Rezession expandieren. Mitte der 60er produzierten die Fuentes bereits 100.000 Zigarren an einem neuen, größeren Standort.
Auch die dritte Generation der Fuentes war zu dieser Zeit bereits in die Familiengeschäfte eingebunden. Während der Ferien verbrachte Carlito Fuente viel Zeit in der dominikanischen Republik und in Nicaragua, um alles über Tabak und Anbau zu lernen. Dieses Grundwissen ermöglichte ihm später auch ein Universitätsstudium und sein Doktorat. Dieses grundlegende und tiefe Wissen über Tabak sollte es ihm 20 Jahre später ermöglichen, eine Zigarre zu produzieren, die ganz auf kubanischen Tabak verzichten konnte.
Das Kubaembargo hatte die Industrie weiter fest im Griff und so erweiterten die Fuentes in den 70er Jahren ihre Produktionen in der dominikanischen Republik und Nicaragua.
Doch die politischen Wirren dieser Zeit kosteten Carlitos in Nicaragua fast das Leben. Mit knapper Not konnte er dem aufkeimenden Bürgerkrieg entfliehen. Nach eine spektakulären Flucht aus Nicaragua erreichte ihn kurz darauf die Nachricht, dass auch seine Unternehmungen in Honduras Flammen zum Opfer fielen. Dieser Brand war allerdings ein tragischer Unfall, der mit den politischen Unruhen in Mittelamerika nichts zu tun hatte.
Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten und die Ölkrise beeinträchtigen in den nächsten Jahren ebenfalls das Geschäft. Die Fuentes standen kurz vor der Aufgabe. Der Patron Arturo Fuente starb 1973 im Alter von 85 Jahren. Ein weiterer herber Verlust für das Familienunternehmen.
Die Fuentes hatten viele Schläge zu verkraften, aber der Wille das Familienerbe zu erhalten, war stark. In den frühen 1980 Jahren lebte Carlos Fuente mehr oder weniger das ganze Jahr in der dominikanischen Republik. Eine weitere Dynastie der Zigarrenindustrie, die auch aus Kuba stammenden Olivias, machten sich für Carlos in der Dominikanischen Republik stark. Der Grundstein für die heute 7400 Quadratmeter große Fabrik, Tabacalera A. Fuente y Campania, war gelegt. 1986 wurde das letzte Material der alten Fabrik in Tampa nach Santiago verlegt und die Fuentes unterhielten lediglich ein Vertriebsbüro in Florida. Die gesamte Produktion ist seit damals in der Dominikanischen Republik.
Während des Zigarrenbooms der 90er Jahre konnten die Fuentes ihre Produktion auf 26 Millionen Zigarren ausbauen. Trotz eines weiteren Feuers 1995 konnten die Fuentes mit ihren 2000 Rollern die Produktion auf 30 Millionen Zigarren ausbauen. Die Arturo Fuente Classic hatte ihren Ursprung in dieser Zeit.
Die tiefe Liebe zum Tabakanbau verleitet die Familie auch zu kreativen Versuchen, kubanischen Samen mit kubanischen Methoden in der Dominikanischen Republik zu kultivieren. Der Name des Projektes: „Projekt X“. Der Grundstein für die heutige Serie „Opus X“.
Der Hauptmarkt für die Fuentes ist nach wie vor die USA und auf Grund des Embargos entwickelte sich der Geschmack der Konsumenten über die Jahre auch weg vom typischen Kubaaroma. Mit der Opus X setzte eine Trendwende in den USA ein und es wurden vermehrt kräftigen Zigarren mit vollem Aroma nachgefragt.
Mit der Rosada Sungrown brachte die Familie Fuente eine Zigarre auf den Markt, die das tiefe Verständnis für den Tabak beweist. Die Fermentation und die Reifung der Tabake wurde bis zur Grenze des Machbaren ausgereizt. 10 Jahre alte Tabake wurden für die Rosados verwendet. Das Maximum an Reife wurde aus dem Rohtabak in die Einlage der Longfiller gebracht.
Die nächsten Jahre werden für die Tabakindustrie in den USA wieder besonders spannende. Aber die Fuentes werden auch in Zukunft wegen finden ihre Liebe zur Zigarre zu leben und uns mit tollen Produkten zu versorgen.
















