Nach der Ernte der hier noch grünen Tabakblätter, werden diese gebündelt und in die nahliegenden Trockenschuppen gebracht. Doch verbirgt der Begriff Schuppen die wahren Ausmaße dieser Hallen, welche Tabakliebhaber wohl eher an Kathedralen erinnern dürften. Beim Betreten dieser Lagerstätten eröffnet sich dem Besucher eine vielfältige Mischung aus verschiedensten Sinneseindrücken. Um diese warme, dämpfige Atmosphäre erfassen zu können, muss man sie wohl am eigenen Leib gespürt haben.
Während die Blätter in die Trockenschuppen gebracht werden findet eine erste Selektion statt. Einlagetabake, Umblätter und Deckblätter werden von einander getrennt und in verschiedene Qualitätsstufen, Farbstufen und auch Größen sortiert.
Transformation der Blätter dank "Curado"
Die nun folgende Trocknung der Blätter, auch „Curado“ genannt, fördert die ersten, wichtigen chemischen Veränderungen im abgeernteten Tabakblatt. Obwohl sich das Blatt nicht mehr an der Pflanze befindet, kann die Zellaktivität noch beeinflusst werden. Hierzu werden Temperatur und Feuchtigkeit in den Trockenschuppen genau kontrolliert und gesteuert. Dem Tabakblatt wird sozusagen eine Dürre vorgetäuscht und wird so dadurch gezwungen die eigenen Reserven zu aktivieren. In diesem Transformationsprozess verliert das Blatt kontrolliert Wasser und somit an Substanz.
Die Zellfunktion der Blätter ist nach der Ernte noch in Takt. Würde man nach der Ernte die Trocknung der Blätter nicht steuern, würden die Zellen ihre kompletten Reserven aufbrauchen und der Tabak würde dadurch „vaciado“ oder ausgelaugt. Dies gilt es zu verhindern, da wir für unsere Zigarren hocharomatische Tabake wünschen.
Zuerst verliert der Tabak seine grüne Farbe und nach etwa 6 Tagen ist das Chlorophyl so weit abgebaut haben, dass der Tabak eine gelbe Farbe annimmt. Proteine und Kohlenhydrate in den Blättern werden zu einfachen Zuckermolekülen und Aminosäuren umgewandelt. Während dieses Prozesses wir das Blatt in seiner Substanz verändert. Frisch geerntet enthält das Blatt noch etwa 85% Wasser und 15% feste Stoffe. Am Ende des Trockungsprozesses kehrt sich das Verhältnis jedoch um und der Anteil liegt nun bei etwa 25% Wasser und 75% fester Materie.
Steuerung der Temperatur im Schuppen durch Einsatz der Elemente
In den Lagerstätten, auch „Casa del Tobacco“ genannt, werden daher die Tabakbündel (Cujes) immer wieder umgeschichtet. Die Schuppen werden durch Öffnen und Schliessen der Fenster belüftet, um die Temperatur zu steuern. Zusätzlich werden auch manchmal Feuer in den Trockenschuppen entfacht, um diesen Prozess zu verstärken. Feuer-Trockung wird aber auch bewusst eingesetzt, um das Aroma der Tabake zu beeinflussen. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Kentucky Dark Fired Tabak, der z.B. in der Buena Vista Kentucky Dark Fired verwendet wird.
Der Trockungsprozess ist sehr arbeitsaufwendig und damit personal- und zeitintensiv. Dieser Vorgang dauert etwa 20 bis 25 Tage. Da dieser Prozess ist sehr diffizil ist, bedarf er einer ständigen Überprüfung. Bei Davidoff z.B. wird man Henke Kellner, den Masterblender, in dieser Zeit täglich in den Feldern und Trockenschuppen finden. Fehler die im Trockungsprozess gemacht werden, können in der Fermentation nicht mehr behoben werden. Die Qualität des Tabaks wir in dieser Phase entscheidend geprägt.


















