Nachdem die Tabake den ersten Reifeprozess von etwa 20 bis 25 Tagen im Trockenschuppen durchlaufen haben, werden diese zu sogenannten Cujues gebündelt. Von dort werden sie in die Fabriken gebracht, um den nächsten Schritt, die Fermentation zu durchlaufen.
Die Fermentation ist ein hochkomplexer, biochemischer Prozess. Bei der Veredelung der Tabake kommt jedoch keinerlei Chemikalien oder Zusatzstoffe mit dem Produkt in Berührung. Einzig Zeit, die richtige Temperatur und Fachwissen sind hier gefragt.
In dieser Phase sind die Masterblender besonders gefragt. Während der Fermentation kommt es auf ihre jahrelange Erfahrung, ihren Instinkt, ihr Wissen und ihre Liebe zum Tabak an. Die Tabake, die auf sogenannten Burros oder Pillons gestapelt werden, müssen immer wieder gewendet, bewegt, belüftet und befeuchtet werden. Die Temperatur in den Fermantationsstapel variiert über diesen Zeitraum kontinuierlich. Im inneren der Pillon ist die Temperatur etwas höher als an der äußeren Oberfläche. Zudem lastet oben im Stapel weniger Druck auf den einzelnen Tabakblättern als unten. Durch dieses ständige Umschichten kann die Entwicklung von Mikroorganismen (Bakterien, Pilze und Hefen) gezielt gesteuert werden und die perfekte Farbe, Entflammbarkeit, Elastizität und Feuchte der Tabake wir gewährleistet.
Während dieses Prozesses verlieren die Blätter an Masse und werden dünner. Neben der äußerlichen Veränderungen findet während der Fermentation auch eine chemische Veränderung statt. Unverträgliche Proteine und Kohlehydrate, z.B. Stärke werden abgebaut. Der Nikotingehalt des Blattes wird reduziert. Gleichzeitig werden nun die Aromen der Tabakblätter entwickelt und der volle Geschmack kann sich entfalten.
Welcher Tabak in welcher Weise fermentiert wird entscheidet der Masterblender. Die Abläufe in den Fermentationsprozessen gehören zu den großen Geheimnissen einer jeden Fabrik, weshalb man nie ganz genaue Angaben erhalten wird. Auf eine konkrete Frage bekommt man in der Regel ein ausweichendes „Depende“ zu hören.
Lediglich einige grobe Angaben konnten wir den Masterblendern entlocken. Ein dickes Tabakblatt braucht zum Beispiel für die Fermentation eine höhere Temperatur als ein dünnes Blatt. Wie die Fermentation genau gesteuert wird, hängt zudem von folgenden Faktoren ab:
- Blattstufe (auf welcher Höhe der Pflanze wuchs der Tabak, wieviel Sonne bekam das Blatt)
- Tabaksart
- Spätere Verwendung (Einlage, Umblatt, Deckblatt)
- gewünschte Stärke
- gewünschte Dicke
Ein Besuch der Fermentationshallen in den Tabakfabriken ist eine Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst. In diesem tropischen Raumklima zu arbeiten, die Temperaturen schwanken zwischen 40 und 50 Grad, belastet den ganzen Körper und ist eine Herausforderung für die Arbeiter. Trotz des intensiven Geruches nach Ammoniak ist die Besichtigung dieser Hallen eine Erfahrung, die der geneigte Aficiondo wohl nicht so schnell vergessen wird.











